Anleihen | |
| Bei Anleihen handelt es sich um langfristige Schuldaufnahmen größeren Umfangs am in- und ausländischen Kapitalmarkt gegen Ausgabe von Schuldverschreibungen mit fester Verzinsung den sogenannten festverzinslichen Wertpapieren oder auch variablem Zinssatz = Floating rate notes. So mancher Verbraucher, der nicht mit dem Kapitalmarkt ganz so gut bewandert ist, fragt sich nun zunächst einmal, was sind denn überhaupt festverzinsliche Wertpapiere bzw. was bedeutet denn Floating rate notes? Von festverzinslichen Wertpapieren spricht man immer dann, wenn das Wertpapier den Inhaber zum regelmäßigen Bezug von Zinsen berechtigt. Die Zinshöhe ist in der Regel im Voraus festgesetzt. Als Beispiele kennen viele Verbraucher die Anleihen oder auch Schuldverschreibungen. Der Schuldner eines festverzinslichen Wertpapieres verpflichtet sich in der Regel zur Rückzahlung der in dem Papier verbrieften Forderung zu einem im Voraus festgelegten Termin oder nach einem bestimmten Tilgungsplan. Festverzinsliche Wertpapiere werden in kleiner Stückelung - z.B. mit 100€ Nennwert - emittiert und während ihrer Laufzeit am Rentenmarkt gehandelt. Sofern der Schuldner über eine gute Bonität verfügt, sind festverzinsliche Wertpapiere eine gute, relativ krisensichere Anlagemöglichkeit. Auch wer nur geringe Sparmöglichkeiten hat, kann wegen der überwiegend kleinen Stückelung Geld anlegen. Die Floading rate notes ist eine zinsvariable Anleihe, es handelt sich dabei um eine mittel- bis langfristige Anleihe, deren Verzinsung alle drei oder sechs Monate an die Geldmarktsätze angepasst wird. Dabei orientiert man sich vorwiegend an einem Referenzzinssatz (z. B. Euribor) und der Bonität des Schuldners. Infolge der Zinsanpassung sind die Kursrisiken für Anleger begrenzt. Der Schuldner erhält bei normaler Zinsstruktur langfristige Mittel zu günstigen kurzfristigen Konditionen. Welche Arten von Anleihen gibt es?Anleihen lassen sich nach dem Emittenten unterscheiden: Öffentliche Anleihen werden vom Bund, von Gebietskörperschaften (Bundesländer, Städte), der Bahn, der Post u. a. als Sondervermögen des Bundes aufgelegt. Während Anleihen des Bundes in der Regel längere Laufzeiten (10-15 Jahre) aufweisen, gelten Kassenobligationen oder Bundesobligatoren als mittelfristige Papiere (Laufzeit fünf bis sechs Jahre) und Schatzanweisungen als kurzfristige Titel (Laufzeit bis vier Jahre). Nicht zu den Anleihen zählen Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze des Bundes. Bankschuldverschreibungen (Pfandbriefe und Kommunalobligationen) werden von Banken und öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten emittiert. Private Anleihen in Gestalt von Industrieobligationen dienen großen Unternehmen als eine Form langfristiger Fremdfinanzierung. Sie können auch als Gewinnobligation mit einer Gewinnbeteiligung verknüpft sein, als Wandelanleihe mit einem Umtauschrecht in Aktien oder als Optionsanleihe mit einem Bezugsrecht für neue Aktien. Bei einer Wandelanleihe handelt es sich um eine Anleihe, die mit einem Recht auf Umtausch (Wandlung) in Aktien verknüpft ist. Der Eigentümer kann die Wandelanleihe in bestimmte Aktien der AG umtauschen, wobei die Umtauschbedingungen schon bei der Ausgabe festgelegt werden, also Wandlungstermin und -frist. Wandlungsverhältnis gegebenenfalls die Zuzahlung eines bestimmten Geldbetrages (Wandlungspreis, -prämie). Falls der Eigentümer das Umtauschrecht nicht ausübt, besteht ein Rückzahlungsanspruch aus der Wandelanleihe. Wegen der Wandlungsmöglichkeiten haben Wandelanleihen ähnlich der Optionsanleihe eine niedrigere Verzinsung als gewöhnliche Schuldverschreibungen. Im Gegensatz zur Optionsanleihe kann das Wandlungsrecht jedoch nicht von der Anleihe isoliert gehandelt werden. Der Umtausch der Wandelanleihe in Aktien (Bezugsaktien) führt zu einer bedingten Kapitalerhöhung. Eine Wandelanleihe darf daher nur aufgrund eines Hauptversammlungsbeschlusses von mindestens 75 % des vertretenen Grundkapitals begeben werden. Aber zurück zu den allgemeinen Anleihen. Auch ausländische Emittenten (z. B. Staaten, Unternehmen) und supranationale Institutionen (Europäische Investitionsbank) legen Anleihen auf, die als Auslandsanleihen bezeichnet werden; notieren sie in einer Fremdwährung, dann spricht man von Währungsanleihen. Bei der Währungsanleihe spricht man auch von der Fremdwährungsanleihe die von deutschen Emittenten im Ausland oder ausländischen Emittenten in Deutschland begebene Auslandsanleihe, die auf eigene oder fremde Währung lautet und ein Währungs- bzw. Wechselkursrisiko aufweist. Merkmale der Anleihen Der Ertrag (die Rendite) aus einer Anleihe ist abhängig vom Zinssatz, vom Ausgabe- oder Anschaffungskurs und vom Rückzahlungswert. Letzterer und/oder die Höhe der Zinszahlungen sind im Falle von Indexanleihen an einen Index (z. B. Goldpreis) gebunden. Bei der Indexanleihe handelt es sich um eine Anleihe, bei der zum Schutz gegen die Inflation die Höhe der Zinszahlungen und/oder der Nennwert an einen Index ( z.B. Preisindex der Lebenshaltungskosten, Aktienindex,) gebunden wird (Wertsicherungsklausel). Die Wertsicherungsklausel ist eine vertragliche Vereinbarung zum Schutz gegen Geldentwertungen. Dabei wird eine Zahlungsverpflichtung, z. B. die Miete in einem Mietvertrag, mit dem Preis oder dem Wert einzelner Güter oder eines Preisindex in Verbindung gebracht. Beispielsweise schützt ein Gläubiger seine Forderung gegen Inflation, indem er festlegt, dass der Rückzahlungswert gemäß dem Preisindex für die Lebenshaltungskosten angepasst wird. Man spricht daher auch von Indexierung. Mit Ausnahme der steuerähnlichen Zwangsanleihe auf die hier auch noch einmal eingegangen werden sollte. Eine Zwangsanleihe ist eine unverzinsliche oder niedrig verzinsliche öffentliche Anleihe, die einem bestimmten Personenkreis durch den Staat zwangsweise auferlegt wird. Bemessungsgrundlage bildet in der Regel das Einkommen oder Vermögen. Die Zwangsanleihe ähnelt einer Steuer (ungünstige Verzinsungs- und Tilgungsbedingungen) und einer Anleihe (durch die Rückzahlbarkeit). In Deutschland würde 1922 statt einer geplanten Vermögensabgabe einer Zwangsanleihe eingeführt und 1982 als unverzinsliche Zwangsanleihe die Investitionshilfeabgabe erhoben. Zurück zur Zwangsanleihe. Bei ihr muss sich der Emittent an die Kreditbedingungen auf dem Kapitalmarkt anpassen. Die Zinsen einer Anleihe werden in der Regel halbjährlich oder jährlich ausgezahlt (eine Ausnahme bilden die Zerobonds). Zerobonds auch Nullkuponanleihe genannt sind eine langfristige Anleihe (in der Regel Inhaberschuldverschreibung mit 10 - 20 Jahren Laufzeit), für die keine regelmäßige Zinszahlung erfolgt. Das Entgelt für die Kapitalüberlassung (Zins) ergibt sich als Differenz zwischen dem geringeren Ausgabe- und dem erhöhten Rückzahlungskurs. Diese Differenz ist umso größer, je länger die Laufzeit und/oder je höher der aktuelle Marktzinssatz ist. Formal zu unterscheiden sind dabei Abzinsungspapiere (Ausgabekurs unter Nennwert) und die selteneren Aufzinsungspapiere (Rückzahlungskurs über Nennwert). Aufgrund der langen Laufzeit wirken sich Änderungen des Kapitalmarktzinses auf die Kurse der Zerobonds wesentlich stärker aus als auf die üblichen Anleihen, weshalb sie sich auch als Spekulationsobjekte eignen. Da Zinsen und Zinseszinsen erst am Ende der Laufzeit gezahlt werden, ergibt sich für den Emittenten ein Liquiditätsstundungseffekt und für den Anleger aufgrund des Zufluss Prinzips ein Steuerstundungseffekt im Rahmen seiner Zinseinkünfte. Bei den Zerobonds kann die Tilgung einmalig und insgesamt erfolgen, aber auch wahlweise in regelmäßigen Teilrückzahlungen. Anleihen werden meist laufend an der Börse gehandelt; ihre Kurse schwanken im Allgemeinen sehr viel geringer als Aktienkurse. Für Interessierte sei noch gesagt, es gibt an der Börse einen Anleihemarkt, dort findet der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren statt. Der Anleihemarkt ist Teil des Kapitalmarkts. | |
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